• Die Bildungselemenete des Studiums

• Weitere Bildungselemente

• Die Soziale Form des Studiums

• Die zeitliche Form des Studiums

• Typen und Ausprägungen des Waldorflehrerberufes

 

Die Bildungselemente  des Studiums am Kieler Seminar

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I. Seminare

Ein Fundament in dem täglichen zweistündigen Grundkurs ist die seminaristische Erarbeitung der pädagogischen Anthropologie auf der Grundlage von Rudolf Steiners Ausführungen über "Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik". Anhand dieses Werkes ergibt sich gleichzeitig eine allgemeine Einführung in die Waldorfpädagogik. Waldorfpädagogik orientiert sich an den pädagogischen Erfordernissen, die durch die kindliche Entwicklung gegeben sind; insofern muß der Lehrer sich gründliche menschenkundliche Kenntnisse aneignen. Waldorfpädagogik bildet Kopf, Herz und Hand, sie ist ganzheitlich; der Lehrer muß sich Antwort geben können auf die Fragen: Was konstituiert den Menschen? Was ist Denken, Fühlen, Wollen? Wie bildet man den Willen oder das Fühlen? Wie ist der Zusammenhang von Leib, Seele und Geist? U.a. ­ Kurse in Bewußtseinsgeschichte, Kultur ­ und Kunstgeschichte lassen immer deutlicher werden, was heute eigentlich wirklich Bildung sein kann. Übungen zur Steigerung des Wahrnehmens und Denkens gehören ebenso hierher wie Seminare über differenzierte, phänomenologische Naturbetrachtung wie z.B. Goethes Farbenlehre.

II. Künstlerische Übungen

Diese finden zweimal am Tag jeweils eine Doppelstunde im Rahmen von ca. zwei- bis vierwöchigen Epochen statt, die ein vertiefendes Üben gestatten. Die künstlerischen Bereiche sind: Malen (auch Tafelbildmalen), Plastizieren, Zeichnen, Eurythmie, Sprachgestaltung (hier auch ein Theaterprojekt), Musik. In den künstlerischen Übungsprozessen ruft man in den verschiedenen Künsten je unterschiedliche Bereiche seines Seelischen zur inneren Aktivität auf: man bemerkt recht schnell, wie im künstlerischen Üben diese Bereiche der Innerlichkeit sich differenzieren, mehr Leuchtkraft bekommen, wie das Seelische sich intensiviert und harmonisch wird: Kunst als hervorragendes Mittel, sich selbst, seine Innerlichkeit auszugestalten, sein Seelisches reich, farbig und intensiver zu machen. Der Übende bemerkt, daß er in sich Gestaltungskräfte veranlagt, die er im Unterricht braucht. Daß er dann auch besser zeichnen, sprechen, malen kann, ist eigentlich mehr ein "Nebenergebnis". Nicht wenige Studierende sagen am Schluß des ersten Jahres, daß sie den Reichtum der Erfahrungen am künstlerischen Üben auch dann nicht missen möchten, wenn sie jetzt gar nicht Lehrer(in) würden!

III. Methodisch-Didaktische Übungen

Woche für Woche wird in zwanzig kleinen Gruppen in die Methodik und Didaktik folgender Fächer bzw. Bereiche eingeführt: Biologie, Chemie, Physik, Geographie, Mathematik, Englisch-Oberstufe, Englisch-Unterstufe, Geschichte, Kunst-Oberstufe, Werken, Handarbeit, Korbflechten und Buchbinden, Sport, Gartenbau, Förderunterricht, Musik und in die Selbstverwaltung. Hier werden nicht nur die Lehrpläne der Fächer horizontal und vertikal übend durchgegangen oder Rezepte mitgeteilt, sondern es werden Elemente einer Erziehungskunst vermittelt. Die Dozenten sind durchweg tätige Lehrer an umliegenden Schulen. Außerdem werden für alle Seminaristen über 15 bis 20 Wochen (pro Tag eine Doppelstunde) Kurse in allgemeiner Methodik und Didaktik angeboten.

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Weitere Bildungselemente des Kieler Seminars

1. Einarbeitung in die Praxis: 

In den Ausbildungsschulen des Seminars (z.T. ­wenn gewünscht­ auch im Ausland) ist der Seminarist im Unterricht eines Mentors oder auch mehrerer Mentoren; er übernimmt zunehmend Teile des Unterrichts selbst, bis er selbständig Unterrichtseinheiten erteilt. Das angebotene zweite Kieler Ausbildungsjahr ist eine Spezialität des Kieler Seminars; es ist vor allem ein Einarbeitungsjahr in die Praxis, unterbrochen von vier halbmonatigen Intensivkursen, in denen man die Erfahrungen in der Praxis im Gespräch auswertet, neue Gesichtspunkte gewinnt, um so gestärkt in die nächste Praxiszeit hineinzugehen. Für das zweite Ausbildungsjahr lassen sich auch Mischformen denken, z. B. daß schon Teildeputate übernommen werden. Individuelle Lösungen ergeben sich im Gespräch. So ist im zweiten Kieler Ausbildungsjahr ein nicht hoch genug zu schätzendes Übungsfeld für die Einarbeitung in die Praxis mit Hilfestellung eines erfahrenen Mentors gegeben: Der dann in die Schule eintretende Seminarist hat die "Feuerprobe" der Praxis hinter sich.

2. Projektkurse im Ausland

Im ersten Ausbildungsjahr sind wir zwei Wochen in Azzano, am Hang der apuanischen Alpen am Ligurischen Meer (Italien), um in dem dort anstehenden Marmor bildhauerisch zu gestalten; von dort fahren wir mehrmals nach Florenz, um uns in die Kunst- und Bewußtseinsgeschichte der Renaissance einzuarbeiten.

Im zweiten Ausbildungsjahr sind wir für 10 Tage in 1000 m Höhe am Rande von Jötunheimen (Norwegen) in einer Hütte der norwegischen Waldorfschulbewegung: Neben der Beschäftigung mit der nordischen Kultur (Ibsen, Edvard Munch, Grieg, Stabkirchen, Wikingerkultur) steht hier auch die Begegnung mit der Natur im Vordergrund. (Geologie, Beleuchtungszonen der Erde u.a.)

3. weitere Projekte

Da sind zu nennen solche im Bereich Schauspiel/Theater, im musikalischen Bereich (Chor, Orchester) und themenbezogene Projektwochen (z.B. Astronomie, Fremdsprachen, Phänomenologie), in denen der gesamte Epochenplan auf das betreffende Projekt umgestellt wird. 

Ein besonderer Kurs "Selbstverwaltung in der Waldorfschule" soll dem künftigen Lehrer entsprechende Kompetenzen vermitteln und vorbereiten für den Beruf des Geschäftsführers an Waldorfschulen.

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Die soziale Form des Studiums

Wir beginnen jedes Jahr mit zwei Kursen zu jeweils ca. 20 Teilnehmern. Es werden geringe Kursgrößen angestrebt, damit neben dem Vortrag auch vor allem das Gespräch zu seinem Recht kommt. Die Kurse sind Lerngemeinschaften, der Bildungsfortschritt ist so auch ein sozialer Prozess. Die leitende Idee hierbei ist, daß man sich auf die inhaltliche und verwaltungsmäßige Konferenzarbeit der Waldorfschulen vorbereitet und in einem größeren Kreis gesprächsfähig wird, denn in der kollegialen Schulleitung der Waldorfschulen ist die Konferenz das zentrale Organ: hier fließt das gesamte Schulleben zusammen.

In einem gemeinsam geleiteten Kolloquium bespricht man Fragen und Probleme des Studiums, bereitet die Studienfahrten gemeinsam vor etc.

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Die zeitliche Form des Studiums:

Die Schulferien in Schleswig-Holstein sind auch Seminarferien. Vorlesungstage sind Montag bis Freitag. Die Zeiten des Zweiten Ausbildungsjahrs (Einführung in die Praxis) entsprechen denen des Schuljahrs in Schleswig-Holstein. 

Tageseinteilung

    8.00 ­ 9.30 Uhr: künstlerische Übung.

    10.45 ­ 11.15 Uhr: Grundkurs.

    11.45 ­ 13.15 Uhr: Methodik und Didaktik.

    13.15 ­ 14.00 Uhr: Mittagspause (Essen in der Schulküche ist möglich)

    14.00 ­ 15.30 Uhr: künstlerische Übung.

Dieses Angebot betrifft alle Seminaristen; für die verschiedenen Fachmethodik-Kurse nach Wahl des Einzelnen ist jeweils eine Doppelstunde pro Woche und pro Fach von 15.40 ­ 17.00 Uhr angesetzt ­ also bei zwei Fachmethodiken zweimal pro Woche. Bei Projektwochen u.ä. wird der Epochenplan umgestaltet. Im zweiten Ausbildungsjahr wird der Unterricht in Methodik und Didaktik an den einzelnen Schulen von den Mentoren unterschiedlich geregelt: diese Regelungen werden individuell abgesprochen.

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Welche Typen und Ausprägungen des Waldorflehrerberufes gibt es?

Der Klassenlehrer und Förderlehrer. Klassenstufen 1 bis 8 (beim Förderklassenlehrer z.T. auch höhere Klassenstufen).

Der Klassenlehrer an Waldorfschulen führt eine Klasse durch die ersten acht Schuljahre. Im "Hauptunterricht" ­ die erste Doppelstunde jedes Schultages ­ unterrichtet er z.B. Deutsch, Geschichte, Erdkunde, Rechnen, Geometrie, Naturkunde, Formenzeichnen und anderes. Hinzu kommen nach dem Hauptunterricht gelegene Fachstunden in Fächern, die nicht in Epochen gegeben werden (Fremdsprachen, Handarbeit, Sport u.a., s. unten die Fächer des "Fachlehrers") das gilt für eine volle Anstellung. Der Förderklassenlehrer hat eine Gruppe von 10 bis 12 verhaltens- und lernschwierigen Kindern; auch hier ist der Waldorflehrplan verbindlich - mit einem höheren Anteil an Kunst und praktischen Fächern (z.B. Werken). Die Förderklassen werden oft bis zur 10. Klasse (incl.) geführt.; als "Kleinklasse" stehen sie im möglichen Schüleraustausch mit den "Großklassen".

Der Hauptunterrichtslehrer in der Oberstufe 
Klassenstufen 9 bis 13.

Zu den Voraussetzungen für die Erteilung des Unterrichts in den Fächern: Deutsch, Geschichte, Geographie, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Kunstgeschichte auf der Oberstufe ist entweder eine Ausbildung für das Lehramt an Höheren Schulen oder Realschulen (Erstes Staatsexamen genügt) oder Diplom oder Magister oder Promotion erforderlich. Die angeführten Fächer werden in den Klassenstufen 9 bis 12 im Hauptunterricht, in Klasse 13 im Kurssystem gegeben. Einzelne Übungsstunden (außerhalb der Hauptunterrichtszeit) kommen in der 9. bis zur 12. Klasse hinzu (z.B. in Mathematik, Deutsch, Chemie, Physik, EDV).

Der Fachlehrer

Der an den Epochenunterricht des Klassenlehrers und Hauptunterrichtslehrers der Oberstufe anschließende Fachunterricht differenziert sich in folgende Fächer: Latein, Englisch, Französisch, Russisch, Malen, Zeichnen, Eurythmie, Musik, Handarbeit, Werken, Gartenbau, Sport. Diese Fächer werden am Seminar in erster Linie im Sinne einer Postgraduiertenausbildung erteilt, nur z.T. im Sinne der Ausbildung fachlicher Kompetenz (z.B. Handarbeit).

Die Lehrerinnen und Lehrer bearbeiten später in der Schule in der pädagogischen Konferenz alle allgemeinen Probleme schulischer Art ­ sowohl solche der Oberstufe wie auch solche des Klassenlehrerbereiches ­ gemeinsam. Daraus resultiert ein wichtiger Gestaltungsgesichtspunkt des Kieler Seminars: Alle Studierenden sollen an den allgemeinen Kursen gemeinsam teilnehmen, zum anderen soll aber eine intensive Unterweisung in der Methodik und Didaktik der speziellen Unterrichtsfächer in Kleingruppen angeboten werden.

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